Marissa Meyer: Renegades – Gefährlicher Freund

Version 3
heyne fliegt | Hardcover | 640 Seiten | 20,00 €

Die neue Reihe von Marissa Meyer spielt in der Welt wie wir sie kennen. Der einzige Unterschied: es gibt Wunderkinder. Sie haben besondere Fähigkeiten.
In einer Einführung erfahren wir, dass diese unterdrückt und nicht fair behandelt wurden. Zu dieser Zeit lehnte sich Ace Anarcho, selbst Wunderkind, gegen das bestehende System auf. Er schloss sich mit den mächtigsten Wunderkindern zusammen. Gemeinsam verwandelten sie ganze Städte in Schutt und Asche, damit die Menschen sie nicht länger unterdrücken konnten. Die Ära der Anarchie dauerte zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre ohne Regierung, ohne Gesetz. Dann kamen die Renegades. Sie gaben Hoffnung und schufen ein Rechtssystem. Sie befreiten die Welt von den Anarchisten.

Im Prolog lernen wir Nova, unsere Protagonistin und ihre Familie kennen. Dabei werden wir zum ersten Mal Zeuge wie Nova ihre Fähigkeiten einsetzt. Mit einer Berührung kann sie andere Menschen in Schlaf versetzen; sie selbst schläft nie.
Auf einmal wird Novas Familie in ihrem Zuhause angegriffen. Ihre Eltern und ihre Schwester werden erschossen. Sie macht sich Vorwürfe, sie hätte ihre Schwester retten können, doch sie hat sie im Wohnzimmer liegen gelassen. Nova hofft, dass jeden Moment die Renegades kommen und ihr helfen, denn das behaupten die Renegades immer. Sie kommen, wenn Superhelden gebraucht werden. Doch keiner kommt. Stattdessen wird sie von ihrem Onkel Ace Anarcho gerettet. Er nimmt sie bei sich, bei den Anarchisten, auf.

Darf ich einmal betonen, wie unglaublich traurig der Beginn der Geschichte ist. Und gleichzeitig ist er unfassbar wichtig und erkenntnisreich auch im Hinblick auf die weitere Geschichte. Marrissa Meyer hatte mich nach der ersten Seite und ich konnte und wollte nicht mehr aufhören zu lesen.

Die eigentliche Handlung setzt mit einem Anschlag der Anarchisten auf die Renegades ein. Nova soll Captain Chrom, den Anführer der Renegades, ermorden.
Um sich einen Überblick zu verschaffen, streift Nova in der Menschenmenge umher, die sich für die Parade versammelt hat. In dem Gedränge wird sie bestohlen, doch ein junger Mann hält die Diebin auf und gibt ihr ihr Armband zurück. So lernen wir ihren männlichen Gegenpart, Adrian, kennen.
Und so viel darf ich vorwegnehmen: Ich liebe ihn! Da kommen wir dann auch direkt zum Pluspunkt der ganzen Geschichte: Mit „Diversity“ wird ganz natürlich umgegangen. Eben so, wie es sein sollte. Adrian trägt eine Brille, ist schwarz, wird als heiß beschrieben, er hat zwei Väter und ist ein Renegade. Welcher Protagonist fällt euch ein, der so beschrieben wird? Adrian ist die Unglaublichkeit in Person.

Die Figuren, die Marissa Meyer erschaffen hat, sind unglaublich authentisch und einfach großartig. Adrian ist ja wohl mal der Bookboyfriend in Person und Nova ist unglaublich tapfer und mutig. Ich meine, ihre Fähigkeit nicht schlafen zu müssen ist grandios. Wenn ich nicht mehr schlafen müsste, könnte ich endlich meinen SUB abbauen 😀
Die Nebencharaktere konnten mich ebenso beeindrucken. Ich hoffe, dass sie alle ein würdiges Ende erhalten.

„Renegades“ ist das erste Buch, welches ich von der Autorin lese und ich muss sagen: Ich LIEBE ihren Schreibstil. Die Seiten flogen nur so dahin. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag durchgelesen.

Der Verlauf der Geschichte hat mir extrem gut gefallen. Die Liebesgeschichte, wenn es denn eine wird, steht auf jeden Fall nicht im Mittelpunkt, sondern fügt sich gut in die Handlung ein. Ich hoffe, dass das in den folgenden Bänden auch so sein wird.

Das Ende war unglaublich. Ein so fesselnder Cliffhanger sollte eigentlich verboten werden. Ich meine, wie soll ich die Zeit bis zum Erscheinen des 2. Buches überstehen?

Nun interessiert mich deine Meinung. Hast du das Buch gelesen? Wenn ja, wie hat es dir gefallen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar mit deiner Meinung.

Bewertung: Design ohne Titel

Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Lesexemplar.

Annette Hess: Deutsches Haus

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Ullstein Buchverlage | Hardcover | 368 Seiten | 20 €

Klappentext

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Meine Meinung

Frankfurt 1963. Im Zentrum steht der erste Auschwitz-Prozess. Protagonistin ist die junge Eva Bruhns, Tochter eines Wirtsehepaares und Dolmetscherin für Polnisch. Eigentlich übersetzt sie nur juristische Texte. Eines Tages wird sie gebeten für einen Dolmetscher einzuspringen. Sie weiß erfährt zunächst nicht, was sie da übersetzt und baut Übersetzungsfehler ein. Als sie die richtige Übersetzung nachschlägt, bekommt sie ein mulmiges Gefühl. Sie möchte mit ihren Eltern darüber sprechen, doch die wimmeln sie ab.
Daraufhin wird Eva gebeten, ebenfalls bei dem Prozess zu übersetzen. Entgegen des Willens ihres Verlobten Jürgen sagt sie zu. Was sie während des Prozesses erfährt, lässt sie zweifeln. An der Menschheit und an ihrer Familie.

Annette Hess verarbeitet in ihrem Debütroman ein schwieriges Thema. Heute lässt sich ganz anders auf die Geschenisse zurückblicken, als noch in den 1960er Jahren.
Waren die Menschen damals wirklich so naiv und dachten, das wäre alles niemals geschehen? Oder wollten es die Menschen einfach nicht wahrhaben? Wer kann sich schon vorstellen, dass über 6 Millionen Menschen industriell getötet wurden.
Die Darstellung des Familienlebens zu der Zeit hat mir besonders gut gefallen und mir vor Augen geführt, wie anders die Menschen mit dem Thema damals umgegangen sind.

Der Prozess fesselt Eva und weckt ihre Neugier. Sie möchte für die Gerechtigkeit, für die Opfer kämpfen. Dabei entdeckt sie Dinge aus ihrer Vergangenheit, die sie lieber nicht gewusst hätte.

Die Autorin schafft es, mit diesem Roman ein schwieriges Thema detailliert darzustellen. Sie lädt dazu ein, sich mit den Ausschwitz-Prozessen zu beschäftigen.
Mich hat die Autorin mit dem Roman so begeistert, dass ich gerne noch mehr Bücher über die Zeit lesen möchte.

J P Delaney: Believe me – Spiel dein Spiel. Ich spiel es besser.

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J P Delaney | Penguin Verlag | ISBN: 978-3-328-10326-4 |
In seinem zweiten Thriller schafft es JP Delaney erneut, für eine unglaubliche Spannung zu sorgen.
Die Geschichte handelt diesmal nicht von einem Haus, dass dich mit der Zeit zu kennen scheint, sondern von Claire, 25, Studentin, die ihr Studium finanzieren muss. Sie arbeitet bei einer Kanzlei. Ihre Auftraggeber: Frauen, die glauben, dass ihre Männer ihnen untreu sind. Claires Aufgabe: Sich mit genau diesen Männern zu treffen und diese zu verführen. Sie weiß genau was sie tut und wie sie jeden Mann rumbekommt. Sie ist Schauspielerin.
Die Ausgangssituation hört sich zunächst belanglos und irgendwie auch irrational an. Doch als dann die Frau ihrer letzten Verabredung stirbt, steht sie im Rampenlicht. Sie soll der Polizeit helfen, den Täter zu finden. Sie übernimmt den Job, doch muss aufpassen. Schließlich soll niemand erfahren, was sie in der Mordnacht getan hat.
Der Kommissar und eine Psychologin bereiten Claire auf die Aufgabe vor. Kathryn ist zunächst skeptisch, ob Claire die richtige Person für diese Operation ist, schließlich geht es um Mord. Die Studentin kann schließlich die beiden Ermittler von sich überzeugen.
Das eigentlich geniale an dem Thriller ist nicht die etwas banale Ausgangssituation, sondern vielmehr das Können des Autors, den Leser dazu zu bringen, jeder Figur zu vertrauen, und dann auch wieder nicht.
Darum geht es in der Geschichte nämlich. Um Vertrauen, Treue, Wahrheit, Lüge, Inszenierung, Baudelaire und Schauspiel.
Mit der Zeit wusste ich nicht mehr, wem ich noch vertrauen kann und wer hier gerade die Wahrheit erzählt und was davon eigentlich echt ist.
Überzeugt hat mich der Autor schließlich in der Auflösung, die wirklich grandios ist. Die Wendepunkte sorgen für die nötige Spannung. Wie auch in seinem ersten Roman, erfärht der Leser nicht alles, was die Protagonistin weiß, obwohl aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Aber gerade das trägt dazu bei, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.