[Gelesen] Nicky Singer: Davor und Danach

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Titel: Davor und Danach
Autorin: Nicky Singer
Verlag: Dressler
Erscheinungsdatum: 21.01.2019
Genre: Jugendbuch ab 14
Preis: 19,00 €
ISBN: 978-3-7915-0100-0

 

 

 

Inhalt
Die Bevölkerung wächst. Im Jahr 2049 gibt es zu viele Menschen auf der Erde und sie wandern alle nach Norden. Am Äquator ist es zu heiß. Die Länder im Norden Europas haben ihre Grenzen wiedererrichtet. Ohne Papiere kommt man nicht weit. Jeder muss ums Überleben kämpfen.

Mhairi ist ebenfalls auf dem Weg in den Norden. Zurück zu ihrem Geburtsort, zurück nach Schottland. Wegen der Forschungsarbeit ihrer Eltern, ist die Familie in den Sudan gezogen. Fünf Jahre später, muss Mhairi zurückkehren, denn die Gesetze, wer in sein Heimatland zurückkehren darf, ändern sich ständig. Sie ist 14 Jahre alt. Minderjährig. Mit 15 Jahren beginnt das Einwilligungsalter. Man kann nun Lebensjahre verschenken. Ein oder zwei oder sogar zehn. Man kann vorzeitig sterben, bevor man mit 74 sowieso umgebracht wird.
Mhairi hat es schon weit geschafft. Sie ist inzwischen in England angekommen.

Zu Beginn der Geschichte trifft sie auf einen kleinen Jungen. Dieser spricht kein Wort, hat keinen Namen, heftet sich aber an ihre Fersen. Und Mhairi kann oder besser will ihn nicht mehr ziehen lassen. Sie kümmert sich um ihn. Nimmt ihn mit auf ihrer Flucht.

Figuren
Mhairi hat alles verloren. Sie besitzt nur noch das, was sie an ihrem Körper trägt. Zusätzlich einen Revolver ohne Patronen und ihren Ausweis. Die Papiere sind sehr wichtig. Ohne diese kann sie sich nicht registrieren lassen. Ohne diese kann sie nicht beweisen, dass sie erst 14 Jahre alt ist, denn sie sieht älter aus. Die lange Flucht hat sie verändert. Sowohl ihren Körper als auch ihren Geist. Sie ist zielstrebiger geworden. Sie kämpft um ihr Überleben. Sie tut alles, um am Leben zu bleiben.
Der kleine Junge, auf den Mhairi zu Beginn trifft, spricht kein Wort. Sie weiß nicht, wie er heißt oder woher er kommt, was seine Geschichte ist. Er hat nichts bei sich. Nicht einmal seine Papiere. Das ist natürlich ein Problem, wie Mhairi merkt. Doch sie unternimmt alles, um ihn auch in Sicherheit zu bringen.

Problemstellung im Buch
Die Geschichte beschäftigt sich mit einem sehr aktuellen Problem. Die Bevölkerung ist bis 2049 so stark gewachsen, dass es nicht mehr genug für alle gibt. Nicht genug zu trinken, zu essen, Platz. Die Erderwärmung hat weiter zugenommen. Inzwischen ist es am Äquator so heiß, dass die Menschen in den Norden flüchten. Ausnahmslos.

Die Geschichte zeigt auf, wie wichtig Umweltschutz in der heutigen Zeit ist, denn die Geschichte von Mhairi ist zwar fiktiv, jedoch ist das Jahr 2049 sehr greifbar. Was machen wir, wenn die Erderwärmung noch weiter zunimmt? Werden wir ein ähnliches System etablieren, sodass jeder mit 74 Jahren stirbt? Werden die Menschen aus den südlichen Ländern ebenfalls in den Norden flüchten? Wird es noch genug Platz für alle Menschen geben?

Fragen, die wir irgendwann beantworten müssen. Fragen, über die wir uns Gedanken machen müssen. Wie gehen wir mit unserer Umwelt um? Wie wichtig ist Umweltschutz?

Eindrücke und Gefühle
Nicky Singer schafft es in ihrem neuen Jugendbuch, die Wichtigkeit des Umweltschutzes erschreckend greifbar umzusetzen. Die Problematik, mit der sie sich auseinandersetzt, ist Wirklichkeit und keinesfalls an den Haaren herbeigezogen. Die Bevölkerung wächst, das kann man nicht leugnen. Während des Lesens stellt man sich die Frage, ob das alles wirklich wahr werden könnte; wie viel von der Geschichte Realität werden kann.

Die Geschichte von Mhairi regt dazu an, nicht aufzugeben, zu kämpfen. Aber nicht um jeden Preis. Sie macht Mut, sich mit Umweltschutz auseinanderzusetzen, damit es nicht so weit kommt, und wir ein ähnliches System mit definiertem Todeszeitpunkt etablieren müssen.

Die Sprache ist unglaublich prägnant. Die Satzstruktur zeigt, wie unsicher Mhairi manchmal dann doch ist, aber auch, wie erwachsen sie schon geworden ist. Die kurzen Kapitel passen zu der Hektik der Flucht. Nicky Singer schreibt fesselnd. Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Gegen Ende der Geschichte musste ich jedoch unterbrechen. Ich wurde überwältigt. Das Jahr 2049 ist vielleicht ein bisschen zu greifbar. Die Geschichte ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven.

Fazit
„Davor und Danach“ von Nicky Singer ist eine Dystopie, die sich mit wichtigen Themen beschäftigt, die gerade für Jugendliche wichtig sein werden.

Das Buch empfehle ich ab 14 Jahren jedem, der sich für Umweltschutz, die Zukunft, Heldinnen, Freundschaft, Flüchtlinge und im allgemeinen für Dystopien interessiert.

Louise O’Neill: Du wolltest es doch

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Carlsen | Hardcover | 368 Seiten | 18,00 € | ab 16 Jahren

Worum geht’s?
Emma ist in ihrem vorletzten Highschooljahr, sehr hübsch und klug. In der Schule und auf Partys kleben alle Blicke an ihr. Sie kriegt jeden rum. Zumindest erzählen sich das alle.
Ihr Leben ändert sich plötzlich von dem ein auf den anderen Tag, als sie mit zerrissenem Kleid, und scheinbar tot, morgens vor ihrem Haus liegt. Ihre Eltern finden sie und sind geschockt. Wie konnte sich Emma nur so gehen lassen? Das schlimmste für Emma ist, dass sie sich an nichts erinnern kann. Niemand spricht mehr mit ihr, denn sie alle haben die Fotos gesehen. Fotos, die in der Nacht von Emma gemacht wurden. Fotos, die so nicht existieren dürften. Ist Emma wirklich Schuld, an dem, was ihr passiert ist? Wäre es anders gelaufen, wenn sie sich anders verhalten hätte?

Meine Meinung
Der Klappentext hat mich sofort neugierig auf das Buch gemacht. Die Schuldfrage zieht sich durch die gesamte Literatur und es ist immer wieder interessant zu lesen, welche Formen von Schuld es gibt. Aus meiner Vergangenheit im Deutsch Lk kommt mir natürlich direkt Franz Kafka und die Schuldfrage in den Sinn. Generell finde ich die SChuldfrage eine sehr interessante frage.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich nicht ganz gelungen. Zunächst hat mir der Schreibstil der Autorin nicht zugesagt. Die Charaktere erschienen mir platt und ohne Tiefe, typische amerikanische Mädchen.
Zum Glück hat sich mein erster Eindruck nicht verfestigt und meine Meinung zu dem Buch hat sich um 180° gedreht.

Emma ist beliebt, hübsch und hat eigentlich alles was sie sich wünscht. Als jedoch die Fotos von ihr auftauchen, gerät ihr Leben aus den Fugen.
Zu Beginn der Geschichte war mir Emma unsympathisch. Sie hat komplett andere Vorstellungen vom Leben. Als ich jedoch ihre verletzliche Seite kennenlernte, änderte ich meine Meinung über sie. Es ist unglaublich, wie sehr solche Fotos einen Menschen verändern können, ihn verletzen können in einer unwahrscheinlich großen Weise.

Die Freundinnen von Emma waren ebenso platt am Anfang. Auch sie haben sich gewandelt, aber blieben doch sehr in ihrer jugendlichen Naivität gefangen.

Der Schreibstil der Autorin hat mich nach einem leider … Anfang dann doch noch überrascht. Louise O’Neill schreibt fesselnd und gibt jedem Charakter eine eigene Persönlichkeit.

Auf die Frage, ob oder inwieweit Emma Schuld an dem ist, was ihr passiert ist, möchte ich soviel sagen: Jedes Mädchen, jede Frau hat das Recht sich so zu kleiden wie sie möchte. Und wenn das Kleid eben ein biscchen kürzer ist, oder der Ausschnitt tiefer, dann ist das eben der Stil, des Mädchens, der Frau. Dadurch ist sie aber weder eine Schlampe, noch Schuld daran, wenn sich jemand an ihr vergreift. Denn aufreizende Kleidung ist keineswegs eine Freifahrt für einen Mann. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass man vorher immer fragen sollte, ob das, was man tun möchte, für die andere Person in Ordnung ist. In beide Richtungen sollte gefragt werden.

„Du wolltest es doch“ ist ein wichtiges Buch. Es schweigt das Thema von sexuellen Übergriffen nicht tot und zeigt, wie die Menschen und ihr Umfeld, denen so etwas oder ähnliches passiert ist, daran zerbrechen können. Es geht um die Frage, ob die Person das möchte, ein „ja“ oder „nein“. Es sollte in unserer Gesellschaft möglich sein, diese Frage zu stellen.

Hast du das Buch gelesen? Denkst du, Emma ist selbst Schuld an ihrer Situation?

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Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Leseexemplar.