Louise O’Neill: Du wolltest es doch

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Carlsen | Hardcover | 368 Seiten | 18,00 € | ab 16 Jahren

Worum geht’s?
Emma ist in ihrem vorletzten Highschooljahr, sehr hübsch und klug. In der Schule und auf Partys kleben alle Blicke an ihr. Sie kriegt jeden rum. Zumindest erzählen sich das alle.
Ihr Leben ändert sich plötzlich von dem ein auf den anderen Tag, als sie mit zerrissenem Kleid, und scheinbar tot, morgens vor ihrem Haus liegt. Ihre Eltern finden sie und sind geschockt. Wie konnte sich Emma nur so gehen lassen? Das schlimmste für Emma ist, dass sie sich an nichts erinnern kann. Niemand spricht mehr mit ihr, denn sie alle haben die Fotos gesehen. Fotos, die in der Nacht von Emma gemacht wurden. Fotos, die so nicht existieren dürften. Ist Emma wirklich Schuld, an dem, was ihr passiert ist? Wäre es anders gelaufen, wenn sie sich anders verhalten hätte?

Meine Meinung
Der Klappentext hat mich sofort neugierig auf das Buch gemacht. Die Schuldfrage zieht sich durch die gesamte Literatur und es ist immer wieder interessant zu lesen, welche Formen von Schuld es gibt. Aus meiner Vergangenheit im Deutsch Lk kommt mir natürlich direkt Franz Kafka und die Schuldfrage in den Sinn. Generell finde ich die SChuldfrage eine sehr interessante frage.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich nicht ganz gelungen. Zunächst hat mir der Schreibstil der Autorin nicht zugesagt. Die Charaktere erschienen mir platt und ohne Tiefe, typische amerikanische Mädchen.
Zum Glück hat sich mein erster Eindruck nicht verfestigt und meine Meinung zu dem Buch hat sich um 180° gedreht.

Emma ist beliebt, hübsch und hat eigentlich alles was sie sich wünscht. Als jedoch die Fotos von ihr auftauchen, gerät ihr Leben aus den Fugen.
Zu Beginn der Geschichte war mir Emma unsympathisch. Sie hat komplett andere Vorstellungen vom Leben. Als ich jedoch ihre verletzliche Seite kennenlernte, änderte ich meine Meinung über sie. Es ist unglaublich, wie sehr solche Fotos einen Menschen verändern können, ihn verletzen können in einer unwahrscheinlich großen Weise.

Die Freundinnen von Emma waren ebenso platt am Anfang. Auch sie haben sich gewandelt, aber blieben doch sehr in ihrer jugendlichen Naivität gefangen.

Der Schreibstil der Autorin hat mich nach einem leider … Anfang dann doch noch überrascht. Louise O’Neill schreibt fesselnd und gibt jedem Charakter eine eigene Persönlichkeit.

Auf die Frage, ob oder inwieweit Emma Schuld an dem ist, was ihr passiert ist, möchte ich soviel sagen: Jedes Mädchen, jede Frau hat das Recht sich so zu kleiden wie sie möchte. Und wenn das Kleid eben ein biscchen kürzer ist, oder der Ausschnitt tiefer, dann ist das eben der Stil, des Mädchens, der Frau. Dadurch ist sie aber weder eine Schlampe, noch Schuld daran, wenn sich jemand an ihr vergreift. Denn aufreizende Kleidung ist keineswegs eine Freifahrt für einen Mann. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass man vorher immer fragen sollte, ob das, was man tun möchte, für die andere Person in Ordnung ist. In beide Richtungen sollte gefragt werden.

„Du wolltest es doch“ ist ein wichtiges Buch. Es schweigt das Thema von sexuellen Übergriffen nicht tot und zeigt, wie die Menschen und ihr Umfeld, denen so etwas oder ähnliches passiert ist, daran zerbrechen können. Es geht um die Frage, ob die Person das möchte, ein „ja“ oder „nein“. Es sollte in unserer Gesellschaft möglich sein, diese Frage zu stellen.

Hast du das Buch gelesen? Denkst du, Emma ist selbst Schuld an ihrer Situation?

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Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Leseexemplar.

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