Andreas Winkelmann: Das Haus der Mädchen

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rororo | Taschenbuch | 400 Seiten | 9,99 €

Ich darf präsentieren: mein erstes Buch 2019 und gleichzeitig auch ein Lesehighlight 2019 im Genre Krimi/Thriller.
Der Thriller „Das Haus der Mädchen“ ist im Herbst 2018 bei rororo erschienen. Leni, zieht für drei Wochen wegen eines Praktikums nach Hamburg. Während dieser Zeit wohnt sie in einem Zimmer, welches sie über die Website bedtobed.com gemietet hat. Kurz nach ihrer Ankunft lernt sie ihre Zimmernachbarin kennen, die plötzlich verschwunden ist. Leni macht sich große Sorgen um sie. Sie entschließt sich dazu, ihre neu gewonnene Freundin zu suchen.
Gleichzeitig beobachtet Freddy, seit Kurzem obdachlos, wie eine Person in ihrem Auto erschossen wird. Er möchte unbedingt wissen, was genau er da beobachtet hat.
Was Leni und Freddy nicht wissen: Ihre Fälle haben mehr miteinander zu tun, als sie für möglich gehalten hätten.

Damit der Leser auch von vornherein weiß, dass es sich bei diesem Buch um einen Thriller handelt, startet der Autor die Geschichte mit einem Mord. Dieser wirft viele Fragen auf. Warum musste er sterben?
Nicht nur die Polizei ermittelt. Freddy, eigentlich Frederick, lebt seit einigen Wochen auf der Straße. Er hat seine Firma und seine Frau verloren. Bei seinem täglichen Rundgang durch Hamburg, beobachtet er einen Mord. Er ist überzeugt, er kann zwar nicht zur Polizei gehen, aber er kann den Mörder suchen.
Freddy war mir von Anfang an sympathisch. Er hat viel Mist in seinem Leben gebaut, aber er sieht seine Fehler nun auch ein. Im Innern hat er einen guten Kern. Freddy ist abenteuerlustig, aufgeweckt und hilfsbereit.

Leni, kommt eigentlich aus einem kleinen Kaff in Deutschland namens Sandhausen (alle Fußballfans werden diese Stadt zumindest einmal gehört haben), wohnt für drei Wochen in Hamburg. Dort macht sie ein Praktikum bei einem kleinen Verlag.
Leni liebt Bücher, ist introvertiert und lässt lieber andere im Mittelpunkt stehen. Leni ist quasi mein Ebenbild. Aus diesem Grund konnte ich ihre Handlungen immer nachvollziehen. Was ich wichtig finde, denn es ist sehr nervig, wenn der Ermittler aus einer Laune heraus einfach irgendwie handelt.
Sie findet sehr schnell eine neue Freundin, die sie am nächsten Tag auch gleich mit zu einer Party nimmt. Leni soll schließlich das Hamburger Nachtleben kennenlernen. Am Morgen nach der Party ist ihre Zimmernachbarin verschwunden. Leni beschließt, sie muss sie suchen.

Durch Zufall treffen sich Freddy und Leni. Und die beiden merken, dass ihre Fälle mehr miteinander zu tun haben.

Andreas Winkelmann schafft es, den Leser die ganze Zeit zu fesseln und bei Laune zu behalten. Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen und konnte und wollte es nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite pure Spannung. Das Ende ist weder vorhersehbar, noch irgendwie offensichtlich.

Hiermit spreche ich eine klare Empfehlung für „Das Haus der Mädchen aus“. Es ist für alle Thrillerfans geeignet, die es auch gerne brutaler mögen; sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene.

Design ohne Titel

Louise O’Neill: Du wolltest es doch

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Carlsen | Hardcover | 368 Seiten | 18,00 € | ab 16 Jahren

Worum geht’s?
Emma ist in ihrem vorletzten Highschooljahr, sehr hübsch und klug. In der Schule und auf Partys kleben alle Blicke an ihr. Sie kriegt jeden rum. Zumindest erzählen sich das alle.
Ihr Leben ändert sich plötzlich von dem ein auf den anderen Tag, als sie mit zerrissenem Kleid, und scheinbar tot, morgens vor ihrem Haus liegt. Ihre Eltern finden sie und sind geschockt. Wie konnte sich Emma nur so gehen lassen? Das schlimmste für Emma ist, dass sie sich an nichts erinnern kann. Niemand spricht mehr mit ihr, denn sie alle haben die Fotos gesehen. Fotos, die in der Nacht von Emma gemacht wurden. Fotos, die so nicht existieren dürften. Ist Emma wirklich Schuld, an dem, was ihr passiert ist? Wäre es anders gelaufen, wenn sie sich anders verhalten hätte?

Meine Meinung
Der Klappentext hat mich sofort neugierig auf das Buch gemacht. Die Schuldfrage zieht sich durch die gesamte Literatur und es ist immer wieder interessant zu lesen, welche Formen von Schuld es gibt. Aus meiner Vergangenheit im Deutsch Lk kommt mir natürlich direkt Franz Kafka und die Schuldfrage in den Sinn. Generell finde ich die SChuldfrage eine sehr interessante frage.

Den Einstieg in die Geschichte fand ich nicht ganz gelungen. Zunächst hat mir der Schreibstil der Autorin nicht zugesagt. Die Charaktere erschienen mir platt und ohne Tiefe, typische amerikanische Mädchen.
Zum Glück hat sich mein erster Eindruck nicht verfestigt und meine Meinung zu dem Buch hat sich um 180° gedreht.

Emma ist beliebt, hübsch und hat eigentlich alles was sie sich wünscht. Als jedoch die Fotos von ihr auftauchen, gerät ihr Leben aus den Fugen.
Zu Beginn der Geschichte war mir Emma unsympathisch. Sie hat komplett andere Vorstellungen vom Leben. Als ich jedoch ihre verletzliche Seite kennenlernte, änderte ich meine Meinung über sie. Es ist unglaublich, wie sehr solche Fotos einen Menschen verändern können, ihn verletzen können in einer unwahrscheinlich großen Weise.

Die Freundinnen von Emma waren ebenso platt am Anfang. Auch sie haben sich gewandelt, aber blieben doch sehr in ihrer jugendlichen Naivität gefangen.

Der Schreibstil der Autorin hat mich nach einem leider … Anfang dann doch noch überrascht. Louise O’Neill schreibt fesselnd und gibt jedem Charakter eine eigene Persönlichkeit.

Auf die Frage, ob oder inwieweit Emma Schuld an dem ist, was ihr passiert ist, möchte ich soviel sagen: Jedes Mädchen, jede Frau hat das Recht sich so zu kleiden wie sie möchte. Und wenn das Kleid eben ein biscchen kürzer ist, oder der Ausschnitt tiefer, dann ist das eben der Stil, des Mädchens, der Frau. Dadurch ist sie aber weder eine Schlampe, noch Schuld daran, wenn sich jemand an ihr vergreift. Denn aufreizende Kleidung ist keineswegs eine Freifahrt für einen Mann. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass man vorher immer fragen sollte, ob das, was man tun möchte, für die andere Person in Ordnung ist. In beide Richtungen sollte gefragt werden.

„Du wolltest es doch“ ist ein wichtiges Buch. Es schweigt das Thema von sexuellen Übergriffen nicht tot und zeigt, wie die Menschen und ihr Umfeld, denen so etwas oder ähnliches passiert ist, daran zerbrechen können. Es geht um die Frage, ob die Person das möchte, ein „ja“ oder „nein“. Es sollte in unserer Gesellschaft möglich sein, diese Frage zu stellen.

Hast du das Buch gelesen? Denkst du, Emma ist selbst Schuld an ihrer Situation?

Design ohne Titel-2

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Leseexemplar.